Umweltfreundlich Drucken? Geht das überhaupt? (Teil 1)

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Kommentare deaktiviert für Umweltfreundlich Drucken? Geht das überhaupt? (Teil 1) / 16. September 2019

Umweltfreundliche Produktionsverfahren, klimaneutraler Druck – diese Themen beschäftigen aktuell die Medienbranche. Doch was steckt dahinter? Sind das mehr als Werbe-Floskeln?

Kann man umweltfreundlich drucken?

TEIL 1

Überlegen wir mal etwas Einfaches: Man könnte mit der Schere oder dem Cutter Buchstaben aus Blättern (direkt vom Baum) ausschneiden und mit ihnen ein Design kreieren. Vorteil: Alles ist kompostierbar, somit entsteht kein Abfall. Nachteil: Das Ergebnis ist nur zweifarbig, ohne Bilder und kann nur in superkleinen Auflagen realisiert werden. Ein weiteres Problem: Irgendwie müssen die Buchstaben beim Verbraucher ankommen, sonst ist es ja keine Werbung. Aber man könnte die Nachricht fotografieren und online verbreiten. Jetzt leidet jedoch die CO2-Bilanz deutlich: Handys, Tablets und Rechner erzeugen CO2 bei der Herstellung, beim Vertrieb und bei der Verwendung. Genau genommen sind nicht einmal die Schere und der Cutter harmlos. Vermutlich aus China und keineswegs klimaneutral. Also alles Utopie?

Fakt ist: Die allerumweltfreundlichste Drucksache ist die, die nicht hergestellt wird. Aber ganz ohne Druck geht es nicht. Also: Was können wir tun?

Hierzu haben wir für Sie ein paar Informationen zusammengestellt:

• Was bedeutet es, „klimaneutral“ zu drucken?

• Wie viel CO2 fällt an?

• Wie kann man beim Drucken die Belastung für die Umwelt so gering wie möglich halten?

• Wie hilfreich sind Zertifikate und Siegel?

• Was kann ein Unternehmen zum Umweltschutz beitragen?

Klimaneutraler Druck

Dahinter verbirgt sich ein recht simples Konzept. Der beim Drucken unvermeidbare CO2-Ausstoß wird von der Druckerei berechnet. Der Auftraggeber bezahlt nun einen geringen Aufpreis, der über die Druckerei in ein Klimaschutzprojekt fließt. Dazu zählen etwa Aufforstungen oder Investitionen in erneuerbare Energien. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Land diese Klimaprojekte angesiedelt sind. Möglicherweise bekommt ein Wasserkraftwerk in Guatemala auf diesem Weg Unterstützung. An einer Stelle wird CO2 produziert, an anderer Stelle wird das CO2 eingespart. Klingt doch gut.

Noch besser wird es, wenn man sich an den „Gold Standard“ für Klimaschutzprojekte hält. Einen Standard, den internationale Wissenschaftler und Umweltschutzorganisationen – z. B. der WWF – gemeinsam erarbeitet haben. In diesem Anforderungskatalog für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern werden nur Projekte zugelassen, die nachweislich dazu beitragen, den Energiebedarf zu verringern. Es macht also Sinn, sich zu informieren, in welche Projekte die Ausgleichszahlung fließt und welche Organisationen beteiligt sind.

Natürlich können sich die Druckereien nicht selbst um die Abwicklung der Ausgleichszahlungen kümmern. Dafür gibt es Partnerorganisationen wie atmosfair, ClimatePartner oder die Klimainitiative der Druck- und Medienverbände. Auf den ersten Blick scheint das eine gute Lösung zu sein und ist dem „Nichtstun“ in jedem Fall vorzuziehen.

Oder Sie nehmen das Thema „Ausgleich“ selbst in die Hand:

– Per Spende an Klima- und Naturschützer wie Fridays for Future, Greenpeace, Naturschutzbund oder

– Sie unterstützen Aufforstungsprogramme oder

– Sie pflanzen selbst einen oder mehrere Bäume …

Nur so als Idee …

Wie viel CO2 fällt an?

Je nach Papier fällt bei der Herstellung ca. 500 bis 2.000 Kilogramm CO2 pro Tonne an. Um eine möglichst exakte Berechnung der CO2-Werte einer Drucksache zu bestimmen, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden:

  • Welches Papier wird verwendet?
  •  
  • Wie hoch ist die Auflage?
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  • Welche Weiterverarbeitung wird benötigt?
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  • Wie sieht es bei der Druckerei selbst mit Umweltschutz und Effizienz aus? (Energieverbrauch, Maschinen, Strategie zur Fehlervermeidung, Druckfarben, Logistik, Reinigungsmittel, Wasserbedarf, Verpackung etc.)
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  • Wie hoch sind die Transportkosten?
  •  
  • Welche Kosten sind darüber hinaus relevant?

Da diese Kosten je nach Produkt und Druckerei sehr unterschiedlich ausfallen, ist es schwer, genaue Werte anzusetzen. Und wie soll man die Angaben überprüfen?

Genau dafür gibt es doch sicherlich diese Umweltplaketten – für  Unternehmen die besonders hohe Öko-Standards erfüllen. Ähnlich den Iso-Zertifikaten. Oder?